Durch eine Massenpanik sind mindestens 19 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 340 wurden verletzt, wie ein Polizeisprecher am frühen Sonntagmorgen sagte. Augenzeugen äusserten scharfe Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen bei dem Raver-Spektakel vom Samstag.
Die Stadt Duisburg hat eine Hotline eingerichtet, unter der sich besorgte Angehörige informieren können: 0203-94000.
Das Unglück ereignete sich kurz nach 17 Uhr an einem überfüllten Tunnel. Der Duisburger Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe sagte in der ARD, die späteren Opfer seien offenbar an einer Tunnelwand hochgeklettert und abgestürzt. Nach ersten Angaben der Polizei wurden im Bereich des Tunnels «Menschen überrannt».
Vertreter von Polizei und Stadt Duisburg berichteten auf einer Pressekonferenz, eine Reihe von Besuchern sei auf eine schmale Treppe, die aus dem Tunnel herausführte, geklettert und abgestürzt. Auch hätten mehrere vergeblich versucht, die Sicherheitszäune um das abgesperrte Festgelände zu überklettern.
Kritik an Sicherheitsvorkehrungen
Augenzeugen äusserten scharfe Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen bei dem Raver-Spektakel vom Samstag. Im Tunnelbereich habe es «einfach gar keine Ausweichmöglichkeit» gegeben, sagte etwa eine Teilnehmerin im WDR-Fernsehen.
Auch Loveparade-Gründer Dr. Motte kritisierte in seinem Internet- Blog die Sicherheitsvorkehrungen. Ein einziger Zugang durch einen Tunnel berge «die Katastrophe in sich».
An der zum dritten Mal im Ruhrgebiet veranstalteten Loveparade hatten laut Organisatoren über den gesamten Tag verteilt 1,4 Millionen Menschen teilgenommen. Das vorgesehene Gelände war offenbar für 250'000 Menschen angelegt gewesen.
Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland verteidigte das Sicherheitskonzept als «stichhaltig». Auf der Website der Stadt erklärte er, die Loveparade hätte ein «friedliches und fröhliches Fest» werden sollen.
«Jetzt muss diese Veranstaltung leider als eine der grössten Tragödien der jüngeren Stadtgeschichte gewertet werden. Ich bin zutiefst erschüttert.» Veranstalter und die Stadt wollten am Sonntag um 12 Uhr näher über die Vorgänge berichten.
Polizeigewerkschaft verweist auf vorherige Bedenken
Die Polizeigewerkschaft im Deutschen Beamtenbund (DPolG) erhob schwere Vorwürfe. Polizei, Feuerwehr und alle mit der Planung befassten Sicherheitskräfte hätten zuvor stets ihre Vorbehalte geäussert, erklärte ihr Duisburger Kreisvorsitzender Wolfgang Orscheschek. Die Veranstalter hätten aber Druck ausgeübt.
Die Polizei war am Samstag mit mehr als 2000 Landes- und 1200 Bundespolizisten vor Ort. Unmittelbar vor der Meldung über die Massenpanik hatte die Polizei um 17.34 Uhr berichtet, das Veranstaltungsgelände sei wegen Überfüllung geschlossen worden. «Die Polizei gibt über Lautsprecher Hinweise an die Teilnehmer und bittet sie, zurück in Richtung Hauptbahnhof zu gehen.» Dieser musste am Abend ebenfalls für längere Zeit wegen Überfüllung geschlossen werden.
120 Busse wurden eingesetzt. Die Notausgänge des Loveparade-Geländes wurden nach dem tragischen Unfall geöffnet. Die Zuschauer wurden nach Angaben der Stadt Duisburg über die A59 abgeleitet.
Party wurde fortgesetzt
Die Techno-Party wurde nach dem Unglück fortgesetzt. Der städtische Krisenstab habe gewollt, «dass diese Veranstaltung in Ruhe ausklingt» und keine Panik entstehe, begründete Ordnungsdezernet Rabe die Entscheidung. Laut Polizei wurde die Musik gegen 23.00 Uhr abgestellt.
Die Veranstalter der Loveparade sprachen den Angehörigen der Opfer in einer Internetmitteilung ihr Beileid aus. «Unser Anliegen, ein fröhliches Miteinander von Menschen durchzuführen, ist heute von den tragischen Unglücksfällen überschattet worden», hiess es in der kurzen Erklärung auf der Internetseite
www.loveparade.net, die auf völlig schwarzem Hintergrund erschien.